Holzwurm Nr. 32 – Low-Tech: Weniger Technik, mehr Nachhaltigkeit

Low-Tech: weniger Technik, mehr Nachhaltigkeit

In den vergangenen Jahren entwickelte sich die Gebäudetechnologie innerhalb kurzer Zeit vom Niedrigenergie- zum aktiven Plus­energie-Gebäudekonzept. Dass es auch einen anderen Weg zu mehr Gebäudeenergieeffizienz gibt, zeigen Low-Tech Gebäude. Statt auf High-Tech zu setzen, kann man beim Errichten von Gebäuden Materialverbrauch und CO2-Emissionen mit einem neuen Ansatz dauerhaft reduzieren. Der Mensch akzeptierte schon in der Vergangenheit keine Wohnmaschinen. Viel komplizierte Gebäudetechnik bedeutet viel Arbeit für den teuren Spezialisten. Sie verursacht Bedienungsvorschriften an die Benutzer, Raumverluste und Künstlichkeit.

Den kompletten Artikel zu diesem und weiteren spannenden Themen finden Sie in der demnächst erscheinenden Ausgabe der Kundenzeitung „STAMM“. Sie möchten nicht so lange warten? In diesem Holzwurm senden wir Ihnen den Artikel Low-Tech-Gebäude: weniger Technik, mehr Nachhaltigkeit bereits vorab –  zum Schmökern und gluschtig machen.

Ihr Nik Stuber

Low Tech – einfache Funktion, einfache Bedienung, hohe Effizienz

Wie viel Technik braucht das nachhaltige Haus? Diese Frage liegt einer neuen Richtung in Bereich Gebäudeplanung zugrunde. Low-Tech Gebäude sind energieeffizient, ressourcenschonend und wirtschaftlich. Sie sind robust und auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Und sie funktionieren mit möglichst wenig Gebäudetechnik. Low-Tech Gebäude bestehen mehrheitlich aus natürlichen, mehrheitlich regionalen Materialien, keine spezifischen Hightech-Produkte oder –Infrastrukturen aus nirgendwo und überall. Weniger Materialmix führt zu einfacherem, kostenreduziertem Bauen und Bewirtschaften. Low-Tech ist einfacher zu handhaben und führt zu einer besseren Gesamtenergie-Bilanz gegenüber High-Tech-Systemen. Die Bauphasen und der Zeitpunkt der Nutzung von elektrischen Geräten beispielsweise richtet sich haushälterisch nach den natürlichen Gegebenheiten wie Tageslicht, Sonne sowie Trocken- und Wärmeperioden. Dadurch wird das Verhältnis zwischen ökologischem Fussabdruck einer Siedlung zur entsprechenden Biokapazität relevant verbessert. Statt die Abhängigkeit von der Natur durch Fortschritt und Technik voranzutreiben, gilt es von der Innovationskraft der Natur zu lernen und diese sinnhaft für unser Leben zu nutzen. Beispielsweise verfügt ein Massivholzhaus ohne Beton, Bodenheizung, Photovoltaikanlage, künstliche Lüftung, Klimasystem, versiegelte Vorflächen über eine wesentlich bessere Gesamtenergie-Bilanz, ist gesünder und kostengünstiger als ein energie-autarkes High-Tech-Haus oder selbst ein konventionell gebautes Haus. Wieso dies nicht öfter zur Anwendung kommt, liegt wohl am fehlenden Lobbying, Marketing, Gesamtenergiebetrachtung oder Bewusstsein für Ökologie, am verstaubten Image oder am festen Glauben an die Moderne.

Weniger und andere Komponenten
Gemeinsam ist vielen Low-Tech-Gebäuden eine sehr gut  gedämmte Hülle, die eine Heizung in Teilen verzichtbar  macht. Das Zusammenspiel von bewusst geplanten Fenstergrößen und gezielt eingesetzter Gebäudemasse maximieren die solaren Gewinne, verzögern eine Wärmeaufnahme und -abgabe und verhindern so eine Überhitzung im Sommer. Die Materialisierung, angefangen vom statischen System bis zum Innenausbau, ist auf das Notwendige reduziert. In der Planung werden Materialien ausgesucht, die mehrere unterschiedliche Funktionen übernehmen – und das ohne chemische Zusätze – und Konstruktionen gewählt, bei denen die einzelnen Funktionsschichten eines Bauteils leicht wieder voneinander zu trennen sind. Beispiele dafür sind unarmierte und rohe Betonböden, ein einfacher Wandaufbau eines beidseitig verputzten Einsteinmauerwerks oder eine hinterlüftete Fassadenkonstruktion. Die Gebäudetechnik wird so konzipiert, dass zum einen die kurzen Installationswege und die sichtbar verlegten Leitungen für Lüftung und Wassererwärmung wenig Material und damit auch wenig Ressourcen verbrauchen. Zum anderen ist deren Unterhalt einfach. Auch der bauliche Sonnenschutz, der im Sommer direkte Sonneneinstrahlung verhindert und damit den Einsatz von Elektromotoren für Storen vermindert, ist eine sinnvolle Low-Tech-Komponente. Bei einigen Gebäuden haben die Planenden Stroh, Holz  oder Lehm als überwiegenden Baustoff eingesetzt und damit die zur Erstellung der Gebäude aufgewendete graue Energie drastisch reduziert. Viele Low-Tech-Gebäude fallen auch durch einen minimalen Einsatz von Haustechnik auf. Es gibt nur Wenige, die sich mehr Technik im Gebäude wünschen, aber viele die von der Technik überfordert sind. Die Menge an Technik hängt aber immer vom Bedarf der Bewohner ab. Sicher ist: Low-Tech kann Investitionskosten und Komplexität der Haustechnik senken und robuster sowie langlebiger sein als High-Tech.

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